Am 24. Juli 2018 übergab der Vorsteher der neuapostolischen Kirchengemeinde Gaggenau, Hirte Joachim Schweigert, eine Spende in Höhe von 4.000.- € an die Fachstelle Sucht in Rastatt für die Arbeit an der "Kindergruppe Schwalbennest".
"Das Bild von den jungen Schwalben, die ganz dicht beieinander im Nest sitzen und die besorgte Mutter dabei ist, das hat mich zu dem Namen "Schwalbennest" inspiriert", so erzählt Dipl. Medizinpädagogin Veronika Bischof, die Betreuerin der Kindergruppe, "so soll es auch in unserer Gruppe sein, die Kinder sollen unter unserer Betreuung zusammenrücken und sich bei uns wie im Nest fühlen".
Seit Oktober 2015 besteht diese Kindergruppe suchtkranker Eltern in Rastatt. Es sind inzwischen zwei Gruppen mit je 6-8 Kindern, die sich jeden Donnerstag-Nachmittag von 16.30 - 18.00 Uhr in einem von der Lebenshilfe angemieteten Raum treffen. "Das ist ein schöner Raum mit Kuschelecke und einem großen Basteltisch, mit einer Küche und einer Kaffeetafel, dort kann man lesen, spielen, toben und basteln. Von hier aus kann man auch zu Fuß in den nahegelegenen Stadtpark gehen. Aber Kochen und zusammen Essen, das macht den Kindern besonderen Spass", so berichtet Veronika Bischof. Sie gibt aber eine klare Zielrichtung vor: "Das ist kein Spielenachmittag, das sage ich den Eltern gleich zu Beginn, sondern wir wollen mit den Gruppen thematisch arbeiten, also auf die Probleme mit der Suchtkrankheit eingehen, das sind Betreuungsgespräche und Therapiestunden. Da können die Kinder erzählen, was in der vergangenen Woche alles los war. Dazu muss man auf die Kinder eingehen, wenn zuhause etwas vorgefallen ist, ob in der Gruppe oder in Einzelgesprächen, das erfordert viel Fingerspitzengefühl".
Veronika Bischof betont, dass es wichtig sei, zu zweit in der Betreuung zu sein, dass die Kinder einen männlichen und einen weiblichen Ansprechpartner haben. Kai Bayerl, der leider bei der Spendenübergabe nicht da sein konnte, ist Sozialpädagoge und ist bei den Gruppenbetreuungen immer mit dabei. Natürlich seien auch die Wünsche der Kinder geschlechtsspezifisch. "Die Jungs spielen lieber Fußball, die Mädchen üben lieber das Schminken", so Veronika Bischof. Wichtig seien die regelmäßigen Treffen, ein fester Termin in der Woche und der konstante Bezug zu einer bestimmten Person. "Wir sind immer da, das wissen die Kinder".
Die Kinder kommen aus Familien mit den unterschiedlichsten Suchtproblemen: Alkohol, Drogen, Glücksspiele und anderem. In erster Linie kommen solche Kinder, deren Eltern zu den Beratungsgesprächen der Fachstelle Sucht kommen. Einige kommen aus der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Tagesklinik in Rastatt. Oft werden sie auch von der Psychologischen Beratungsstelle oder von Kinderärzten geschickt. Auch das Jugendamt, das mit der Fachstelle Sucht eng zusammenarbeitet, empfiehlt den Kindern die Therapiegruppe.
Ein wichtiger Punkt ist der Fahrdienst. Die Kinder werden von zuhause abgeholt und danach wieder zuhause abgeliefert. "Unser Fahrer, der ist für uns ein Glückstreffer, er ist genau der Richtige, er ist streng, hat klare Regeln, kann aber gut mit den Kindern umgehen, er ist für sie eine echte Bezugsperson. Zum Glück liegen die Kinder ungefähr auf einer Fahrstrecke. Wir würden uns freuen, wenn sich bei uns noch jemand als Fahrer melden würde, auch wenn er nur als 'Springer' aushelfen könnte", so erzählt Wolfgang Langer, der die Suchtberatungsstelle in Rastatt leitet. Immer mehr Kinder wollen in die Gruppe aufgenommen werden, zurzeit sind die Gruppen mit 18 Kindern überbelegt. Für die Aufnahme gibt es eine Warteliste, das Angebot dieser Kinderbetreuung und die Beratung der Eltern sind kostenlos und können von Betroffenen im Raum Rastatt und Baden Baden in Anspruch genommen werden. "Um das Angebot aufrecht erhalten zu können, sind wir auf freiwillige Spenden angewiesen, besonders beim Fahrdienst, wir brauchen ein Auto und einen Fahrer, deshalb freuen wir uns sehr über diese großzügige Unterstützung", betont Wolfgang Langer.