Am Mittwoch, den 11. Dezember 2024, übergab der Vorsteher der Gemeinde Karlsruhe-Mitte, Hirte Tobias Metz, eine Spende in Höhe von 6.000 Euro an die Fachberatungsstelle ‚Wildwasser Karlsruhe e.V.‘. Die Beratungsstelle und der gleichnamige Verein setzen sich aktiv gegen sexualisierte Gewalt an Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ein und bieten wertvolle Unterstützung für Betroffene, deren Bezugspersonen sowie für Fachkräfte, die z.B. in Kitas und Schulen arbeiten.
Sarah Kittner, Geschäftsführerin und Leiterin der Beratungsstelle, erläuterte in einer bewegenden Ansprache die Kernziele der Arbeit von ‚Wildwasser‘. Sie betonte, dass die Aufklärung und Prävention von sexualisierter Gewalt neben der Beratung eine wichtige Rolle in der Arbeit der Beratungsstelle spielt: „Wir können leider nicht in jede Kita und nicht zu jedem Elternabend der Schulen kommen, dazu reichen unsere Kapazitäten nicht aus, aber wir versuchen, möglichst viele ‚Multiplikator*innen‘ rund um das Thema sexualisierte Gewalt fortzubilden, also Fachkräfte in Kitas, Schulen oder Vereinen“, so Kittner.
Die Arbeit von ‚Wildwasser‘ basiert auf drei wesentlichen Säulen:
1. Beratung und Fachberatung: Das Team der Beratungsstelle berät und unterstützt sowohl Menschen, die sexualisierte Gewalt erfahren haben als auch Menschen oder Einrichtungen, die sich Sorgen um jemanden machen aus der Stadt und dem Landkreis Karlsruhe. So können Fachkräfte aus Kitas, Schulen und weiteren Einrichtungen sich telefonisch oder vor Ort von ‚Wildwasser‘ bezüglich eines Verdachtes auf sexualisierte Gewalt beraten lassen.
2. Prävention: Präventionsarbeit ist ein weiteres zentrales Anliegen. Mit Multiplikator*innen-Veranstaltungen für Kindergärten, Schulen, Vereine und weiteren Einrichtungen bietet Wildwasser Fachkräften und weiteren Erwachsenen an, ihren Blick auf sexualisierte Gewalt zu sensibilisieren und ihre Handlungsfähigkeit zu erweitern. Gerade auch in Bezug auf die Einführung und Umsetzung von ‚Schutzkonzepten‘, die mittlerweile in Kitas gesetzlich vorgeschrieben sind, leistet die Beratungsstelle wertvolle Unterstützung. In Präventionsworkshops an Schulen wendet sich Wildwasser auch direkt an Jugendliche, um Einvernehmlichkeit und Selbstbestimmung in der Sexualität zu fördern und Wissen über Hilfsangebote bereitzustellen.
3. Information und Öffentlichkeitsarbeit: Informiert sein ist ein wichtiger Schritt zur Prävention und zum Erkennen von sexualisierter Gewalt. ‚Wildwasser‘ positioniert sich gemeinsam mit anderen Einrichtungen und Fachstellen öffentlich. Erwachsene und Politik sollen in die Verantwortung für den Schutz von Mädchen und Jungen genommen werden – weil kein Kind sich selbst schützen kann. Die Beratungsstelle führt in diesem Rahmen auch Informationsabende für die breite Öffentlichkeit durch, um interessierte Menschen über das Thema aufzuklären und zu sensibilisieren. In Zeiten digitaler Vernetzung bietet ‚Wildwasser‘ dieses Angebot im Online-Format an, bei dem sich Teilnehmende bequem von zu Hause aus zuschalten können.
Trotz der engagierten Arbeit ist die Beratungsstelle mit ihren Kapazitäten stark ausgelastet. „Die Anfragen nach Beratung steigen seit Jahren, die Kapazitäten sind hingegen annährend gleichgeblieben. Zum Teil müssen betroffene Personen bis zu 4 Wochen auf einen Termin warten, was viel zu lang ist“, erklärt Sarah Kittner. Für besonders akute Fälle bietet Wildwasser jedoch zeitnahe Hilfe durch Notfalltermine an. Auch in den täglichen Sprechzeiten können Betroffene direkt mit einer Beraterin sprechen und sich Unterstützung holen.
Aktuell besteht der Verein aus 67 Mitgliedern. Drei Frauen bilden den Vorstand, der ehrenamtlich arbeitet. In der Fachberatungsstelle sind zehn Frauen in Teilzeit angestellt, die vornehmlich in der Beratung sowie anteilig auch in der Prävention arbeiten. Im Jahr 2023 konnten Betroffene in 332 Fällen beraten werden mit insgesamt 1.647 Beratungskontakten.
Der Verein hat in der Kaiserstraße 235 zwei Etagen angemietet, in denen sich zahlreiche Beratungsräume befinden. Besonders hervorzuheben ist ein Spiel- und Musiktherapieraum für Kinder, der mit vielen Spielmöglichkeiten und Musikinstrumenten ausgestattet ist. Dieser bietet betroffenen Kindern einen sicheren Rahmen, um sich spielerisch ausdrücken und ihre Gefühle äußern zu können.
Die großzügige Spende in Höhe von 6.000 Euro kommt von dem Hilfswerk der Neuapostolischen Kirche, ‚human aktiv‘ und wird vom Verein sehr geschätzt und kommt in dieser anspruchsvollen Arbeit direkt den betroffenen Kindern und Jugendlichen zugute. „Diese Unterstützung ist für uns von großer Bedeutung und hilft uns, unsere Arbeit fortzusetzen und weiter auszubauen“, betonte Kittner.
Durch die Spende kann ‚Wildwasser‘ weiterhin ihre präventiven und beratenden Angebote aufrechterhalten und ausbauen, um noch mehr Menschen zu erreichen und einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung von sexualisierter Gewalt zu leisten.