Rund 400 Sprachen und Dialekte gibt es in Nigeria, einem Land in Afrika, das von der Gebietskirche Süddeutschland betreut wird. Präsident dieser Gebietskirche, Bezirksapostel Michael Ehrich, erzählte den Jugendlichen des Bezirks Karlsruhe beim Jugendabend am 2. Dezember 2024 in der Kirche in Weiherfeld, dass sich die Menschen dort untereinander kaum verstehen. Viele seine Gottesdienste dort werden in mehr als eine Sprache übersetzt – weswegen ihm manchmal weniger Zeit zum Predigen bleibt.
In einer Schnellfragerunde erfuhren die Jugendlichen Fakten über ihren Bezirksapostel, die sie vielleicht noch nicht wussten. Zum Beispiel, dass er lieber ans Meer als in die Berge fährt, früher nicht nur Kirchenlieder sang und lieber herzhaft als süß isst. Außerdem: Johannes 14,3 ist sein Lieblingsbibelzitat. Nicht mal die anwesenden Bezirksämter wussten auf Anhieb, was dort steht.
Die zwei jugendlichen Moderatoren wechselten sich mit Fragen zum Alltag eines Bezirksapostels, zu Glaubensthemen und privaten Dingen ab. Die Fragen hatten die Jugendlichen im Vorfeld zusammengetragen und warteten deshalb gespannt auf die Antworten.
Die Arbeit ist tag- und abendfüllend – aber nicht immer so schön wie heute
Vor Kurzem sei er auf der Internationalen Bezirksapostelversammlung in Accra (Ghana) gewesen, erzählte der Bezirksapostel den Jugendlichen. Dieses oberste Beschlussorgan der Neuapostolischen Kirche berät sich auch über organisatorische Entscheidungen, wie die Konkretisierung des Katechismus. Das Amtsverständnis sowie weitere Änderungen, die es seit dem Erscheinen dieses wichtigen Buches gab, müssen angepasst werden. Für mehr Infos dazu verwies der Bezirksapostel die Jugendlichen an ihren Apostel Martin Rheinberger, der in der Arbeitsgruppe ist, die die Änderungen betreut.
Wie die Struktur der Neuapostolischen Kirche Süddeutschland aufgebaut ist und welche Themen einen Bezirksapostel im Alltag neben geistlichen Themen beschäftigen, lernten die Jugendlichen an dem Abend. Ihr Bezirksapostel gab ihnen auch einen Ausblick auf den Jugendtag 2025, zu dem er den Bezirksapostel aus Südamerika, Enrique Eduardo Minio, und Bezirksapostelhelfer Robert Nsamba aus Sambia eingeladen hat.
In zwei Ländern des Arbeitsgebiets von Bezirksapostel Ehrich herrscht momentan Krieg: in Israel und der Ukraine. Eindringlich schilderte der Bezirksapostel, dass ein Bezirksamt aus dem Kriegsgebiet während einer Videokonferenz von Beschuss bedroht wurde und deshalb in den Luftschutzbunker musste. Die Jugendlichen wurden angehalten, für den Frieden in diesen Ländern zu beten.
Humor bewies der süddeutsche Kirchenpräsident bei der Frage, warum man zu Gottesdiensten bei bestimmten Anlässen schwarz/weiß trage. Weil das die Farbe der deutschen Fußballnationalmannschaft sei. Im Ernst: Es sei traditionell und festlich, aber nichts, was für immer bleiben müsse.
Eine Gemeinde, in der man sich geborgen fühlt
Auf die Frage, wo er die Kirche in zehn Jahren sehe, antwortete der Bezirksapostel, dass es am schönsten wäre, wenn sich sein Lieblingsbibelzitat Johannes 14,3 bis dahin erfüllt habe: „Und wenn ich hingehe, euch die Stätte zu bereiten, will ich wiederkommen und euch zu mir nehmen, auf dass auch ihr seid, wo ich bin.“ Wenn nicht, sollen die Gläubigen weiter das Evangelium verkünden und unter Brüdern und Schwestern eine Gemeinschaft schaffen, in der man sich geborgen fühlt.
Offen beantwortete der Bezirksapostel Fragen zu Glaubenserlebnissen und wie oft er am Tag bete und gab Tipps, wie man anderen die Wiederkunft Christi vermitteln könne.
Halt, da dürfen Sie nicht rein!
Den Spruch habe er gehört, als er als junger Apostel bei einem Überraschungsbesuch bei einer Gemeinde ins Ämterzimmer wollte.
Als die Moderatorin die mit Spannung erwarteten persönlichen Fragen anmoderierte, sagte der Bezirksapostel sofort, er sei seit 35 Jahren verheiratet und würde seine Frau sofort wieder heiraten.
Dann gab er den Jugendlichen Einblicke in seine persönlichen Erfahrungen im Amt, dass er so lange seinen Job vermisste, bis ihn dort jemand fragte, wer er sei, welches Auto er fahre (BMW X5) und was sein Highlight als Bezirksapostel gewesen sei (der Süddeutsche Kirchentag und die Begegnungen mit Glaubensgeschwistern).
Wenn er merke, dass ihn jemand erkennt, frage er: Kann es sein, dass wir das gleiche Gesangbuch benutzen? Und bei dem Überraschungsbesuch, den er als Apostel machte, klärte sich die Situation bald auf und er konnte den Gottesdienst feiern.
Genug Zeit für alle Fragen
Trotz dass bereits der Geruch von gebratenen Würstchen ins Kirchenschiff stieg, nahm sich der Bezirksapostel Zeit für die spontanen Fragen der Jugendlichen. Beispielsweise erklärte er den Jugendlichen, dass man heute keine Gebiete mehr missioniere – diese Arbeit hätten die christlichen Missionare schon gemacht. Man spreche von betreuten Ländern, wo man heute Kontakte nutze, die man zu Gästeabende einlade. Einen solchen habe er beispielsweise neulich in Bosnien Herzegowina abgehalten.
Auf Nachfrage erzählte der Bezirksapostel auch von unsicheren Ländern, zum Beispiel ist er in Nigeria oft mit Polizeischutz unterwegs und geht nicht in den Norden, um sich nicht der Gefahr der Boko Haram auszusetzen. Bei allem vertraue er immer auf Gott, dass er es gut mache.
Bevor es dann zu den Würstchen nach unten ging, bekam der Bezirksapostel noch Weststadtplätzchen als Dankeschön überreicht, die er gern annahm, weil er zwar lieber herzhaft esse, doch gerne auch mal süß.
Es sei ein wunderbarer Abend gewesen, sagte der süddeutsche Kirchenpräsident später beim Zusammensein mit den Jugendlichen. Sich mit jungen Menschen auszutauschen sei immer schön.