Am Montag, 9. Juli 2018 übergab der Vorsteher der neuapostolischen Kirchengemeinde Ettlingen, Hirte Tobias Metz, einen Scheck mit 3.000 € an die Suchtberatungsstelle Ettlingen. Mit diesem Geld soll eine Reittherapie für Kinder suchtkranker Eltern eingerichtet werden.
Seit sieben Jahren leitet Elmar Hurle die Suchtberatungsstelle Ettlingen. Sein besonderes Augenmerk gilt dabei auch den Kindern suchtmittelabhängiger Eltern. Für sie ist in der Beratungsstelle im Rohrackerweg eine eigene Kindergruppe eingerichtet, KIBUS (Kinder brauchen Unterstützung und Sicherheit), die sich jeden Dienstag-Nachmittag dort trifft. Aufgrund der positiven Berichte aus ähnlichen Kindergruppen entstand der Wunsch, auch für Ettlingen eine Reittherapie einzurichten. "Da kam das Angebot einer Spende der Neuapostolischen Kirche gerade recht, denn ohne die Spende könnten wir uns das nicht leisten", so Stefanie Matt, die dieses Projekt gemeinsam mit Simone Altmann-Rutkowski begleitet. Es gab eine große Vorfreude bei den Betreuern und den Kindern: "Wenn das wahr wird...", so der Slogan bei allen Beteiligten.
Am vergangenen Dienstag war es dann soweit: Sieben Mädchen und ein Junge im Alter von 6-10 Jahren hatten ihre erste Reitstunde. "Wenn der Junge dann erst mal oben auf dem Pferd sitzt, dann steigt das Selbstwertgefühl...", so Stefanie Matt, "dabei üben die Kinder ganz nebenbei Selbstsicherheit und Konfliktbewältigung. Die Reittherapeutin macht mit den Kindern Gruppenübungen und der Umgang mit den Pferden stellt auch eine Vertrauensübung dar. Während einer solchen Reitstunde sind auch Gespräche mit den Kindern viel leichter möglich. Da fallen oft die sonst üblichen Sprachbarrieren". Petra Dummermuth-Kress fügt hinzu: "Man muss bedenken, die Kinder sind stark verunsichert, sie kommen aus stark belasteten Verhältnissen, meist sind die Mütter alleinerziehend und es gibt darüber hinaus kaum Bezugspersonen. Auch deshalb ist unsere Kindergruppe so wichtig." Elmar Hurle setzt hinzu: "Diese Kinder übernehmen oft die Verantwortung für die Familie, weil die Eltern durch ihre Sucht dazu nicht in der Lage sind. Oft kommen die Eltern ebenfalls schon aus einer 'Suchtfamilie', jetzt sind ihre eigenen Kinder betroffen. Diesen Kreislauf gilt es zu durchbrechen".
Die Suchtberatung Ettlingen betreut mit 4,5 Fachkraftstellen ca. 600 Personen pro Jahr. Neben der kostenlosen Beratung wird auch ein Betreutes Wohnen für suchtkranke Eltern mit Kindern angeboten; hierzu stehen acht Plätze zur Verfügung.
"Bei uns gibt es keinen 'Maulkorb', die Kinder dürfen frei sprechen und alles erzählen, auch die Oma darf kommen, oder Bekannte, oder die Partner von Menschen mit Suchtproblemen", so Petra Dummermuth-Kress, "aber bei allem gilt: wir haben Schweigepflicht, nichts von dem Gesprochenen verlässt das Haus".